Ein Text von @catia_f geschrieben für die LiegendDemo 2026

Hi du, wie seltsam, jetzt häng ich hier, dabei war ich 2024 selbst noch auf der Liegenddemo. Da war ich noch „mild“ betroffen. Rückblickend bin ich vermutlich 2022 an Long Covid und später M.E. erkrankt.

Ich hatte nach vielen Jahren mein Studium beendet und war beruflich endlich angekommen. Als Arbeiterinnenkind war mein lang gehegter Traum endlich finanziell abgesichert zu sein, da ich mit 16 anfing zu arbeiten.

Ich durfte in einem Projekt eines freien Theaters PR, Marketing & Social Media übernehmen, doch schon mein Vorstellungsgespräch musste ich wegen einer Covid Infektion verschieben.

Tanz war mein Leben: ich tanzte in einem inklusiven Kollektiv und erlangte nach Traumata endlich das Urvertrauen in meinen Körper wieder. Das neu erlangte Körpergefühl hielt jedoch nur kurz an, da ich unerklärliche Symptome entwickelte. Von nun an konnte ich den Veränderungen meines Körpers regelrecht zusehen.

Ich infizierte mich noch weitere Male mit Covid, unter anderem auf der Arbeit und im Tanzkollektiv, weil Infektionsschutz und saubere Luft noch nicht genügend finanziert & priorisiert werden und weil wir es normalisiert haben Viren zu verteilen, anstatt sie einzudämmen.

Ich wurde immer öfter krank und hatte in einem Jahr bis zu 18 Atemwegsinfekte. Von meiner Hausärztin wurde ich nicht ernst genommen, psychologisiert, gegaslighted.

Es dauerte vier Jahre bis ich einen Allgemeinmediziner fand, der M.E. schonmal gehört hatte, an dem Punkt wusste ich – dank der starken online community und einer betroffenen Person bereits, erkrankt zu sein. –

Letztes Jahr dann, erkrankte meine Mutter schwer an Krebs.

Zwei Monate lag sie im Krankenhaus in einem lebensbedrohlichen Zustand. Ich werde niemals vergessen wie der Chefarzt mir nahe legte, mich nicht für eine Wiederbelebung stark zu machen. Ich war jeden Tag bei ihr.

Das fake Adrenalin machte es möglich, bis ich vor exakt einem Jahr, am Tag der Liegenddemo, crashte, von den wochenlangen Anstrengungen, Überlastungen und der blanken Angst. Seitdem bin ich moderat betroffen.

Ich lernte knallhartes pacing, probierte Medikamente, lernte um Hilfe zu bitten & sie anzunehmen. Bisher hat sich mein Zustand nicht verbessert. Ich bin weiterhin medizinisch und strukturell unterversorgt, wie wir alle.

Gerade kümmere ich mich seit Monaten um Physiotherapie und einen Rollstuhl. Aufgaben, die mich früher 30 Min. gekostet haben, halten mich nun Wochen oder gar Monate auf. Der tägliche Kampf mit Behörden und Ämtern schadet meiner Rest-Gesundheit aktiv!

Es fühlt sich so an als würde mein Gehirn nicht ausreichend versorgt und als sei es konstant entzündet. Wenn ich länger als 10 Min. an etwas „arbeite“, erlebe ich tagelange bis wochenlange Schmerzen und eine andauernde Zustands-verschlechterung.

Ich muss nach jeder Tätigkeit meinem Gehirn und meinem Körper eine Pause geben.

Das reicht von etwas erklären oder tippen, zu klein geschnittenen Salat aufpicken, Buchstaben in einer Story hin- & herschieben oder selfies schießen. Jeder crash lehrte mich eine neue Gehirnfunktion, die viel zu viel Energie benötigt!

Wenn ich das Haus für 1 Stunde verlassen kann, um ins nächste Café zu kommen, wo ich dann alleine einen Cappuccino trinke, weil mein schon struggelndes Gehirn nicht Reize UND Unterhaltung gleichzeitig aushält, war das ein weniger schlechter Tag.

Um das möglich zu machen, muss ich viele Tage strikt pacen und am Tag selbst keinen Papierkram erledigen, kein Social Media nutzen, keine Musik hören, kriege Essen gekocht, und strenge mein Gehirn nicht an und meditiere die meiste Zeit, um Schmerzmanagement zu betreiben.

Das alles für 1 Stunde Lebensqualität. Wenn dieser Kaffee wüsste, wie sehr er mich am Leben hält: er würde zusammenbrechen!

Noch nie in meinem Leben musste ich so diszipliniert sein.

Niemals hätte ich mir eine solche Realität ausmalen können – für niemanden !!! Niemals hätte ich mir vorstellen können, so viele Schmerzen zu ertragen.

Niemals hätte ich geglaubt so isoliert und einsam zu sein. Niemals hätte ich geglaubt, die Fähigkeit zu kommunizieren, so stark einschränken zu müssen oder gar über Stunden zu verlieren. Niemals hätte ich gedacht, dass ich so fallen gelassen werde, ohne jegliches Auffangnetz.

Danke fürs Lesen bitte sei für mich mit wütend und laut heute!!!!!!!!!

Du findest mich auf Instagram unter @catia_f, wenn du mir 1-2 liebe Worte dalassen möchtest, dann freu ich mich riesig als hätten wir uns wirklich kurz getroffen!